Seit einem halben Jahr wird die Familie Engelhardt, die sich gegen Rechts engagiert, mit steigender Brutalität von Neonazis terrorisiert.
Ihr Hilfeschrei brachte schlaglichtartig einen Tatbestand in Öffentlichkeit und Medien, der in Dortmund so seit Jahren existiert, auch immer mal wieder in den Zeitungen nachzulesen war, dem Politik, Polizei und Justiz aber kaum Aufmerksamkeit schenkten.
Dabei gehen die Ursprünge des Naziterrors gegen engagierte Demokraten bis in die achtziger Jahre zurück. Schon damals flogen Pflastersteine in Wohnungen und linke Zentren, wurden Häuser mit Hakenkreuzen und Drohungen beschmiert, wurden Autos demoliert.
Die Opfer der Anschläge damals und heute sind zum Teil dieselben Personen, die sich in ihrem Engagement gegen Rechts nicht entmutigen ließen und auch die Täter sind zum Teil noch identisch.
Damals war es die FAP, heute sind es die „Kameradschaften“ und „autonomen Nationalisten“. Von Jenen zu Diesen gibt es bei aller Verjüngung und Verkleidung eine ununterbrochene Kontinuität der Menschenverachtung und Gewaltbereitschaft bis hin zum Mord.
Jahre, ja Jahrzehnte wurde weggeguckt, kleingeredet und verharmlost, die Opfer alleingelassen. Die Naziszene konnte sich entsprechend ermutigt fühlen und wurde immer dreister.
Auch wenn die aufgeschreckten Politiker/innen mit ihrem Besuch bei der bedrohten Familie und ihrer Pressekonferenz dort Betroffenheit und Solidarität ausdrückten, ihre Statements waren hilflos, konsequentes Handeln gegen Neonazis ist noch nicht in Sicht.
Erschreckend ist die Haltung der Polizei, die hinter den Anschlägen nicht einmal einen rechten Hintergrund erkennen will und leugnet, dass überhaupt engagierte Demokrat/innen und Antifaschist/innen in den Focus der Neonazis geraten sind.
Es wird schwer sein, die Nazi-Szene, die sich so lange und relativ ungestört entwickeln konnte, zurückzudrängen und unschädlich zu machen, aber es ist für das Klima in unserer Stadt, für ihr soziales und kulturelles Leben, für die Entfaltung demokratischen, antifaschistischen Engagements dringend notwendig.
Unsere Vorschläge:
an die Politik:
„nicht nur wenn’s brennt“ Betroffenheit zeigen, sondern langfristig handeln: Konzepte der politischen Bildung mit Schwerpunkt Antifaschismus, seine Wurzeln, Geschichte und aktuelle Ausprägung in allen Bildungsbereichen fördern
Jugendbildung, Kultur, Freizeit, Sport und Sozialarbeit besonders in den benachteiligten Stadtteilen ausbauen, Beratungs- und Antidiskriminierungsstellen vor Ort,
an die Polizei:
Die „Blindenkappe“ vom rechten Auge entfernen, politische Bildung für alle Beamten mit Schwerpunkt Faschismus/Neofaschismus,
punktuelle Verstärkung der Polizei in Stadtteilen, in denen sich eine Naziszene festgesetzt hat oder etablieren will,
Schulung im Umgang und der Kooperation mit Neonazi-Opfern,
an die Justiz:
kein Bagatellisieren von angezeigten Neonazi-Übergriffen, die politische Dimension solcher Angriffe erkennen und entsprechend verfolgen.
Der Familie Engelhardt gehört unsere Solidarität. Wir laden sie herzlich zu uns ein, zum Gespräch, zum Erfahrungsaustausch, zum Organisieren von Hilfe.
Sie sollen wissen, sie sind mit ihrem Engagement gegen die Neonazis nicht allein! Gemeinsam fühlt man sich besser und kann man sich besser wehren!