300 Dortmunder feiern das Leben

Esther Bejarano
Am Freitagabend (29.01.) hatte das Bündnis Dortmund gegen Rechts zu einem ganz besonderen Konzert ins Wichernhaus geladen. „Per la Vita“ hieß das Programm: für das Leben, gegen Krieg und Faschismus. Die Protagonisten des in dieser Form einmaligen Musikprojektes sind Esther Bejarano, Überlebende des Auschwitz Mädchenorchesters, mit ihren Kindern Edna und Joram sowie die Kölner Rapper Microphone Mafia. Mit 300 Besuchern war der große Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stimmung war großartig und ohne Zugabe wurden die so gänzlich verschiedenen Musiker nicht von der Bühne gelassen.

Die Zusammensetzung der Künstler spiegelte sich auch im Publikum wider. Angefangen bei vielen Teenagern bis zu jenen, die Nazis und Krieg noch selbst erleben mussten, waren alle Generationen vertreten. „“Ein toller Erfolg“,“ freute sich Kutlu von der Microphone Mafia. „“Unser Projekt verbindet nicht nur unterschiedliche Kulturen, sondern auch jung und alt. Die Grenzen verlaufen weder zwischen den Völkern, noch zwischen Generationen, sondern vielmehr zwischen Menschlichkeit und Solidarität auf der einen Seite sowie Ausgrenzung, Hass und Dummheit auf der anderen.““

Das Konzert war ein gelungener Start in das zehnte Jahr des Bündnis Dortmund gegen Rechts. Neben antifaschistischen Kultur- und Gedenkveranstaltungen hat sich das Bündnis durch Aufklärungsarbeit und kreative Protestformen gegen Neonazis bundesweite Reputation erworben.

Konzert mit Esther Bejarano und Mikrophone Mafia

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts freut sich, das Jahr 2010, das auch das 10 jährige Bestehen des Bünsnisses einläutet, mit einem ganz besonderen Konzert zu beginnen.
Unter dem Motto „per la vita“ treten Esther Bejarano, ihre Kinder Edna und Joram und die Rapper-Gruppe „Mikrophone Mafia“ am 29. Januar im Wichernhaus auf.

Esther Bejarano
„per la vita“, für das Leben, gegen Krieg und alte und neue Nazis engagiert sich Esther Bejarano seit sie die Hölle von Auschwitz durchlitten hat.
Nach einer glücklichen Kindheit erfuhr sie, was es heißt, Jüdin im faschistischen Deutschland zu sein: Mit 18 Jahren wurde sie nach Auschwitz deportiert, fast ihre gesamte Familie wurde von den Nazis ermordet.
Esther Bejaranos große Musikalität rettete ihr das Leben. Sie wurde in das „Mädchenorchester Auschwitz“ aufgenommen, das die ankommenden Transporte musikalisch in Empfang nehmen musste, um so die Deportierten in Sicherheit zu wiegen. So schrecklich und zynisch diese Aufgabe war, befreite sie Esther von Schwerstarbeit, die den sicheren Tod bedeutet hätte.
Nach der Befreiung 1945 ging sie nach Palästina, 1960 kam sie in die Bundesrepublik Deutschland und lebt seither in Hamburg.
Die ausgebildete Sängerin, die vor kurzem ihren 85. Geburtstag feiern konnte, steht bis heute auf der Bühne, tritt aber auch als engagierte Rednerin gegen Rassismus und Antisemitismus auf.
Die Hamburger Ehrenbürgerin und Vorsitzende des Auschwitz-Komitees wurde sowohl mit der Carl v. Ossietzky Medaille der Internationalen Liga für Menschenrechte und dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet.

Ein ungewöhnliches Musikexperiment.
Das Zusammenspiel der Bejaranos mit den Rappern von „Microphone Mafia“, die als Jugendliche mit „Migrationshintergrund“ in einem Kölner Arbeiterstadtteil aufwuchsen und früh mit Rassismus und Ausländerfeindlichkeit konfrontiert wurden, ist ein ungewöhnliches, musikalisches Projekt: Tradition trifft auf Moderne, jiddische Lieder auf harten Rapp, die Jüdin auf den Moslem.
In den Texten widerspiegeln sich Erfahrungen aus Vergangenheit und Gegenwart und machen nachdenklich und betroffen. Unüberhörbar aber ist der Optimismus, das JA zum Leben, das die Musiker eint.
Das Bündnis Dortmund gegen Rechts versteht das Konzert als seinen Beitrag zum Gedenken an den 27. Januar, an dem Auschwitz 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Und es erinnert ebenfalls an den 30. Januar 1933, der mit der Machtübertragung an Hitler Auschwitz erst möglich machte.
„per la vita“, am 29. 1. 2010 im Wichernhaus, Stollenstraße 36, Einlass: 19 Uhr, Eintritt frei, um Spenden für die Arbeit des Bündnisses wird gebeten.

Die Veranstalter behalten sich vor, von ihrem Hausrecht
Gebrauch zu machen. Personen, die rechtsextremen
Parteien oder Organisationen angehören,
der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder
bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische,
antisemitische oder sonstige menschenverachtende
Äußerungen in Erscheinung getreten
sind, wird der Zutritt zur Veranstaltung verwehrt
oder sie werden von dieser ausgeschlossen.

Flyer

Neonazis stören Gedenken an Reichspogromnacht – Scherbenspur in der Brückstrasse

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts (BDgR) hat anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht mit einer Kultur-Aktion am Samstag Nachmittag den Opfern faschistischer Gewalt gedacht.

Dabei wurden Dortmunder Zeitzeugenberichte vorgelesen, welche die organisierten Verbrechen der Nazis am 9. November 1938 beschrieben, als in ganz Deutschland unzählige Übergriffe, Plünderungen und Morde gegen die jüdische Bevölkerung verübt wurden.

Die Aktion wurde durch die Installation einer Spur aus Spiegelscherben auf schwarzer Stoffbahn untermalt, als Symbol für die zerschlagenen Fensterscheiben, die damals die Straßen säumten. In den Pausen zwischen den Wortbeiträgen unterhielten Künstler die Anwesenden mit Klezmermusik.

Zuvor allerdings machten etwa zwei Dutzend bekannter Dortmunder Neonazis deutlich, wie aktuell und notwendig das Gedenken und Erinnern auch heute noch ist: sie versuchten die Veranstaltung durch das Verteilen von Flugblättern zu provozieren, in denen sie unverhohlen den Nationalsozialismus verherrlichten.

Die Polizei hatte die rechte Szene offenbar nicht auf dem Plan und schien gänzlich unvorbereitet. Sie traf erst nach mehreren Anrufen eine Viertelstunde später ein.
„Ein Unding,“ beschwerte sich eine ältere Teilnehmerin der Gedenkveranstaltung, „ist die Polizei nicht Willens oder nicht in der Lage, solche Umtriebe zu verhindern? Hier sind die geistigen Enkel der Verbrecher von damals am Werk!“.

Erst nachdem die Polizei Platzverweise gegen die Rechten ausgesprochen hatte, begann das BDgR mit der eigentlichen Gedenkveranstaltung. Im Anschluss daran wurde in der Schauburg eine Sonderaufführung des beeindruckenden Films „“Der Junge im gestreiften Pyjama““ gezeigt.

Filmvorführung der BgR

Das Bündnis Dortmund gegen Rechts zeigt am
07.11.2009 um 16 Uhr
im Kino Schauburg [ Brückstraße 66 – 44135 Dortmund] den Film
Der Junge im gestreiften Pyjama
Während des Zweiten Weltkriegs lebt der 8-jährige Bruno mit seinen Eltern in einer luxuriösen Villa in Berlin. Als sein Vater, ein Nazi-Offizier, ins Konzentrationslager Auschwitz berufen wird, folgt ihm die Familie in die ländliche Gegend. Bruno gefällt das gar nicht, da er sich in der ungewohnten Umgebung zunehmend langweilt. Auch versteht er nicht, warum alle Arbeiter auf dem benachbarten „Bauernhof“ die gleichen gestreiften Pyjamas tragen. Kurz darauf freundet er sich mit dem jüdischen Jungen Samuel an, mit dem er Dame durch den Elektrozaun spielt. Doch schon bald bringt dies erste Probleme mit sich…

Erklärung des Bündnis Dortmund gegen Rechts zum Naziterror in Dorstfeld

Seit einem halben Jahr wird die Familie Engelhardt, die sich gegen Rechts engagiert, mit steigender Brutalität von Neonazis terrorisiert.
Ihr Hilfeschrei brachte schlaglichtartig einen Tatbestand in Öffentlichkeit und Medien, der in Dortmund so seit Jahren existiert, auch immer mal wieder in den Zeitungen nachzulesen war, dem Politik, Polizei und Justiz aber kaum Aufmerksamkeit schenkten.
Dabei gehen die Ursprünge des Naziterrors gegen engagierte Demokraten bis in die achtziger Jahre zurück. Schon damals flogen Pflastersteine in Wohnungen und linke Zentren, wurden Häuser mit Hakenkreuzen und Drohungen beschmiert, wurden Autos demoliert.
Die Opfer der Anschläge damals und heute sind zum Teil dieselben Personen, die sich in ihrem Engagement gegen Rechts nicht entmutigen ließen und auch die Täter sind zum Teil noch identisch.
Damals war es die FAP, heute sind es die „Kameradschaften“ und „autonomen Nationalisten“. Von Jenen zu Diesen gibt es bei aller Verjüngung und Verkleidung eine ununterbrochene Kontinuität der Menschenverachtung und Gewaltbereitschaft bis hin zum Mord.
Jahre, ja Jahrzehnte wurde weggeguckt, kleingeredet und verharmlost, die Opfer alleingelassen. Die Naziszene konnte sich entsprechend ermutigt fühlen und wurde immer dreister.

Auch wenn die aufgeschreckten Politiker/innen mit ihrem Besuch bei der bedrohten Familie und ihrer Pressekonferenz dort Betroffenheit und Solidarität ausdrückten, ihre Statements waren hilflos, konsequentes Handeln gegen Neonazis ist noch nicht in Sicht.
Erschreckend ist die Haltung der Polizei, die hinter den Anschlägen nicht einmal einen rechten Hintergrund erkennen will und leugnet, dass überhaupt engagierte Demokrat/innen und Antifaschist/innen in den Focus der Neonazis geraten sind.
Es wird schwer sein, die Nazi-Szene, die sich so lange und relativ ungestört entwickeln konnte, zurückzudrängen und unschädlich zu machen, aber es ist für das Klima in unserer Stadt, für ihr soziales und kulturelles Leben, für die Entfaltung demokratischen, antifaschistischen Engagements dringend notwendig.
Unsere Vorschläge:
an die Politik:
„nicht nur wenn’s brennt“ Betroffenheit zeigen, sondern langfristig handeln: Konzepte der politischen Bildung mit Schwerpunkt Antifaschismus, seine Wurzeln, Geschichte und aktuelle Ausprägung in allen Bildungsbereichen fördern
Jugendbildung, Kultur, Freizeit, Sport und Sozialarbeit besonders in den benachteiligten Stadtteilen ausbauen, Beratungs- und Antidiskriminierungsstellen vor Ort,

an die Polizei:
Die „Blindenkappe“ vom rechten Auge entfernen, politische Bildung für alle Beamten mit Schwerpunkt Faschismus/Neofaschismus,
punktuelle Verstärkung der Polizei in Stadtteilen, in denen sich eine Naziszene festgesetzt hat oder etablieren will,
Schulung im Umgang und der Kooperation mit Neonazi-Opfern,

an die Justiz:
kein Bagatellisieren von angezeigten Neonazi-Übergriffen, die politische Dimension solcher Angriffe erkennen und entsprechend verfolgen.

Der Familie Engelhardt gehört unsere Solidarität. Wir laden sie herzlich zu uns ein, zum Gespräch, zum Erfahrungsaustausch, zum Organisieren von Hilfe.
Sie sollen wissen, sie sind mit ihrem Engagement gegen die Neonazis nicht allein! Gemeinsam fühlt man sich besser und kann man sich besser wehren!

Antifa-Gespräch am 18.10: Gegen Roma, Juden, Schwule… – Die extreme Rechte in Osteuropa

Die Meldungen aus den osteuropäischen Staaten lassen aufhorchen. In Ungarn kommt es trotz Verbot der Magyar Gárda (Ungarische Garde) fast an jedem Wochenende zu Aufmärschen der rechtsextremen Miliz. Andere Gruppierungen proben in aller Öffentlichkeit den bewaffneten Aufstand. Im Nachbarland Tschechien mobilisieren neonazistische Parteien wie die Dělnická strana (DS, dt. Arbeiterpartei) und die militanten Kameradschaften des Narodni Odpor (NO, dt. Nationaler Widerstand) zu pogromartigen Demonstrationen gegen die Roma-Minderheit – und können sich bei ihren Aktionen auch auf die Kooperation mit deutschen Gesinnungsgenossen stützen. Derweil musste in Serbiens Hauptstadt Belgrad eine Schwulenparade nach massiven Drohungen aus dem neonazistischen Spektrum abgesagt werden.
Doch die Präsenz der extremen Rechten ist in vielen Ländern der Region längst nicht mehr nur auf die Straße beschränkt. In der Slowakei ist die ultranationalistische Slovenská národná strana (SNS, dt. Slowakische Nationalpartei) von Ján Slota seit mehreren Jahren an der Regierung beteiligt. Die bulgarischen Rechtsextremisten der Partei Ataka (dt. Attacke) unter Führung des Antisemiten Volen Siderov dulden seit den Parlamentswahlen im Juli dieses Jahres die konservative Regierung. Neben der SNS und Ataka erreichten bei der Europawahl 2009 auch die Partidul România Mare (PRM, dt. Großrumänienpartei), die ungarischen Neonazis von Jobbik (dt. Die Besseren), die nationalkonservative Prawo i Sprawiedliwość (PiS, dt. Recht und Gerechtigkeit) und weitere Rechtsaußenparteien zum Teil zweistellige Ergebnisse und sind seither mit Abgeordneten in Brüssel vertreten.
Der Vortrag des Fachjournalisten Carsten Hübner beleuchtet die Situation in den Staaten der Region. Wieso konnte sich die extreme Rechte dort in den vergangenen Jahren etablieren und welche historischen und aktuellen Entwicklungen liegen dem zugrunde? Wie sind die Reaktionen der demokratischen Parteien und der Zivilgesellschaft und welche Möglichkeiten grenzüberschreitender Zusammenarbeit gegen die extreme Rechte gibt es?

Der Referent arbeitet als freier Journalist für Print, Radio und TV in Berlin und befasst sich seit mehr als 20 Jahren mit dem Thema Rechtsextremismus. Er betreibt das Watchblog www.eurorex.info, das über die Entwicklung der extremen Rechten in Europa und ihre Netzwerke informiert.

Die Veranstaltung findet am 18.10.09 um 15 Uhr in der Auslandsgesellschaft statt.

Ausgeschlossen von der Veranstaltung sind Personen, die rechtsextremen Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind. Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und diesen Personen den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder Sie von dieser zu verweisen.

Vortrag: Antisemitismus und Rassismus im europäischen Fußball Davidstern und Lederball“ – die Geschichte von Juden und Antisemitismus im europ. Fußball

Gemeinsam mit dem Rosa- Luxemburg -Club Dortmund
Veranstaltet der Heinrich-Czerkus Fanclub
einen Vortrag mit

Dietrich Schulze-Marmeling
zum Thema Antisemitismus und Rassismus im europäischen Fußball
Davidstern und Lederball“ – die Geschichte von Juden und Antisemitismus im
europ. Fußball

Termin 15.10.2009 19.30 Uhr

Die Veranstaltung ist in Dortmund im Kulturhaus Taranta Babu
Humboldstr. Ecke Amalienstr.

Nazidemo erlaubt

von der s5-Seite:
Die Nazis mobilisieren für einen „Vorabtreffpunkt“ am Dortmunder Hauptbahnhof in der Eingangshalle. Dieser sei von 11h-11:45h besetzt. Ob die Nazis nun eine Besetzung des Hauptbahnhofes planen oder ob sie glauben einen Aufmarsch in Richtung des eigentlichen Kundgebungsplatzes durchsetzen zu können sei einmal dahingestellt. Für anreisende Antifaschistinnen heisst das:

Bitte achtet darauf frühzeitig nach Dortmund zu kommen. Im Convergence Center könnt ihr ab acht Uhr frühstücken.
Reist möglichst in Gruppen und passt aufeinander auf!
Checkt den WAP-Ticker http://ticker.nadir.org für aktuelle Informationen!

Nachdem das Oberverwaltungsgericht in Münster die Nazidemo am 05. September verboten hatte, hat vor ein paar Stunden das Bundesverfassungsgericht das Verbot aufgehoben. Die Neonazis werden an der Speestraße (Ecke Dortmund Hafen U-Bahn) zwischen 13.00-21.00 Uhr eine Kundebung abhalten.
Ein Grund mehr sich an den diversen Gegenveranstaltungen -und Demonstrationen zu beteiligen!!!
Keinen Fußbreit den Faschisten in Dortmund!!!

OVG Münster bestätigt Verbot der Nazidemo

Oberverwaltungsgericht Münster bestätigt Versammlungsverbot für die Nazidemo am 5.09. Auch die angemeldete
Nazi-Demonstration am 04.09.2009 wird verboten.

Naziaufmärsche schon am 3. und 4. 9.

Achtung, am Donnerstag 3.9. 18 Uhr ab Stadthaus und am 04.09. für die Nordstadt haben die Neonazis Aufmärsche angemeldet. Befürchtet wird, dass der Aufmarsch am 4.09. als Ersatzveranstaltung für den bisher verbotenen am Samstag genutzt werden könnte.

Quelle: hxxp://logr.org/antikriegstag/2009/09/02/bericht-zur-kundgebung-gegen-polizeirepressionen/#more-725



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